.. und hier der Weihnachtsbrief vom Marianne-Doell-Haus:
Liebe Frau Präsidentin Wendt, liebe Clubschwestern,
schon wieder Weihnachten? Wir haben doch (jedenfalls gefühlt) erst neulich dieses Fest gefeiert. Wie jedes Jahr erledigen viele von uns in Vorbereitung auf die Feiertage diverse extra Arbeiten und das Innehalten kommt dabei nicht selten zu kurz. Bei alldem stecken wir vielleicht in persönlichen Krisen, sehen und hören von Not um uns herum und weltweite Katastrophen fordern uns zudem in unterschiedlicher Hinsicht. Nach der Landesbischöfin, Kristina Kühnbaum-Schmidt, begegne Gott unseren Ängsten mit einem neuen Anfang in Form der Geburt Jesu. „Das Christuskind verkörpert, was die Welt dringend braucht: Liebe, Frieden, Versöhnung, Gerechtigkeit.“
Und nun? Wir müssen wohl vertrauen; und wir müssen handeln.
Beides erleben wir durch Sie: Sie vertrauen uns, ordentliche Arbeit zu leisten und Sie handeln, indem Sie in vielfältiger Form helfen, wohnungslosen Frauen im marianne-doell-haus ein breit gefächtertes Angebot machen zu können. Sie unterstützen uns finanziell: regelmäßig oder unregelmäßig, mit kleinen oder großen Beträgen, seit Jahrzehnten oder erst seit kurzem. Sie bringen uns diverse Naturalien für die Bewohnerinnen sowie für unsere Sprechstunden. Sie verkaufen Kuchen, feiern ein Sommerfest, veranstalten einen Weihnachtsbazar und einen Clubabend: alles zu unseren Gunsten. Sie stricken warme Socken, Sie bestücken Weihnachtstaschen und sammeln Geld für Drogeriegutscheine, die wir als Geschenke an die Frauen weitergeben können. Wir danken Ihnen allen sehr herzlich für Ihr Interesse und Ihr buntes, großartiges Engagement.
Was tut sich bei uns?
Im Verlauf des Jahres hat sich erneut personell etwas verändert. Die ehrenamtliche
Mitarbeiterin Ulrike Wulf zog es im Sommer aus privaten Gründen leider nach Bayern. Außerdem schied Ute Köster nach nur kurzer Tätigkeit wegen beruflicher Veränderungen wieder aus, weil sie bei uns keine regelmäßigen Dienste mehr gewährleisten konnte, was wir sehr bedauern. Fast im gleichen Atemzug fanden wir zum Glück eine neue ehrenamtliche Kollegin: seitdem bereichert Christine Klinkert das Team. Die dritte unbesetzte Stelle bereitete uns dann zunehmend Kopfschmerzen: es wollte und wollte nicht klappen. Entweder paßte die aktuelle Lebenssituation von Bewerberinnen letztlich nicht auf die regelmäßig erforderlichen Einsätze im marianne-doell-haus oder Interessentinnen entsprachen nicht unserem Anforderungsprofil. Aber beim absichtslosen Stöbern auf dem Portal der Diakonie las erfreulicherweise Petra Langhorst unser Ehrenamtsgesuch und war so angetan, dass sie sich umgehend bei uns meldete. Insofern ergänzt sie nun seit Dezember das Kollegium und befindet sich in der Einarbeitungsphase. Wir sind froh, endlich wieder mehr women-power zu haben, so dass Andrea Mauritz und ich hoffentlich mal die eine oder andere Überstunde abbauen können und wir freuen uns auf das kommende Jahr mit den tollen, qualifizierten Kolleginnen.
Mittlerweile blicken wir auf insgesamt 320 ausgezogene Frauen; 10 wohnen – wie immer – aktuell bei uns. In diesem Jahr hatten wir eine Fluktuation von 16 Menschen; das ist für unsere Verhältnisse hoch. Seit Erstbelegung des Hauses gab es nur ein Jahr, in dem sie noch höher lag: da betrug die Zahl 17.
Regelhaft liegen wir zwischen 9 – 12 Wechseln jährlich und so ein Pensum können wir hinsichtlich des Arbeitsaufwands auch gut schaffen.
In diesem Jahr haben wir nun sehr viel Zeit mit dem Finden neuer Bewohnerinnen verbracht, denn oftmals sind mehrere Aufnahmegespräche nötig, um eine – für unser Angebot – passende Frau zu finden. Diese Prozesse müssen zeitlich so koordiniert werden, um nach Möglichkeit keinen Tag Leerstand in einem Appartement zu haben, was uns zu knapp 100 % gelungen ist.
Die Bilanz der ausgezogenen Frauen, die relativ gleich verteilt aus Krankenhäusern, von Bekannten, aus Notunterkünften und Räumungsklagen kamen, ist auch in diesem Jahr wieder positiv:
11 bezogen ihre eigene Wohnung und 2 Frauen zogen in eine stationäre Einrichtung. Für diese 13 ehemaligen Bewohnerinnen war das marianne-doell-haus offenbar zum richtigen Zeitpunkt ein hilfreicher Ort. Die 11 Wohnungsfinderinnen hatten mit unserer Hilfe begonnen, diverse Probleme zu bearbeiten und werden nach Auszug teils weiterhin durch ambulante Fachdienste unterstützt. Die 2 jungen Frauen haben aus nachvollziehbaren Gründen für sich entschieden, mit einer eigenen Wohnung zur Zeit noch überfordert zu sein, so dass ihr Weg in einem stationären Wohnen mündete.
Bezüglich der übrigen 3 Frauen konnten wir leider nicht dazu beitragen, einen gelungenen Anschluß herzustellen: Bei einer Bewohnerin zeigten sich offensichtlich andere Vorstellungen einer konstruktiven Zusammenarbeit mit uns, so dass sie letztlich zu einer Freundin zog, um von dort aus eine eigene Wohnung zu finden.
Eine weitere Ehemalige konnte sich de facto nicht verbindlich auf Hilfeprozesse einlassen und ging zurück zu ihrem Ex-Ehemann und den drei gemeinsamen Kindern. Und 1 Frau verließ uns mit unbekanntem Ziel.
Angesichts der vielen Auszüge könnte man vielleicht auf die Idee kommen, der Wohnungsmarkt habe sich entspannt: Sie wissen natürlich, dass dem nicht so ist. Aber die Frauen haben sich bei der Wohnungssuche wirklich sehr angestrengt und manchmal hat man dann auch einfach mal Glück.
Hinsichtlich der Zahlen können Sie sich vorstellen, wie viele Gespräche wir geführt, in wie viele Abgründe wir geschaut haben und wie viele Tränen geflossen sind. Aber immer wieder erlebten wir auch schöne Momente mit den Frauen: eine zeigte uns freudig ihre Grünpflanze, die sie gekauft hat, denn nun habe sie wieder einen Platz, um sie hinzustellen. Eine andere berichtet zufrieden, endlich den Mut entwickelt zu haben, den Weg zur Schuldnerberatung zu gehen. Und eine Dritte formuliert dankbar zu sein, dass es so etwas wie das marianne-doell-haus überhaupt gäbe.
Der helle Stern von Bethlehem: er strahlt nicht nur zu Weihnachten.
Wir wünschen Ihnen und all‘ Ihren Lieben frohe Weihnachten,
herzliche Grüße aus dem marianne-doell-haus
Andrea Mauritz, Susanne Rohrmann & Team